TvdVring:

[Home] [Observatorium] [Kommentar] [Corona] [Wachstum] [Prognose] [Geld und Kredit] [Konsum] [Staat] [Investitionen] [Außenhandel] [Löhne] [Beschäftigung] [Finanzkrise] [Buch] [EU27] [Lebenszeit] [Impressum/Autor]

    Fassen wir unsere statistischen Beobachtungen zur Corona-Krise zusammen, so ergibt sich im 4. Quartal 2020 folgendes Bild (in Klammern Links zu Grafiken - im neuen Fenster oder neuem Tab):

    • Im 4. Quartal 2020 lag das BIP real um -3,6% unter dem Vorjahr (1.2), der Export um -2,5% und der private Konsum um -3,1(1.3).
    • Zum aktuellen Einbruch des Wachstums in der EU infolge der der Corona-Krise sind noch keine Quartalsdaten verfügbar. Der Einbruch in der EWU ist im 3. Quartal mit -5,4% deutlich erholt. Die Erholung erreichte das gleiche Niveau wie in Deutschland (1.6)
    • Bei einem Einbruch der Brutto-Wertschöpfung von 4,7% entfielen -1,0% auf das produzierende Gewerbe (1.4a).Der Umsatz des Kraftfahrzeughandels ist inzwischen auf Rekordniveau (2.1a).
    • Der nominale BIP-Beitrag der deutschen Exporte fiel im 4. Quartal im Vorjahresvergleich um -2,76%, der Beitrag der Importe um -3,6% (7.1, 7.3). Ein vorübergehender Rückgang des Außenhandelsüberschuss ist inzwischen ausgeglichen (7.5).
    • Der Auftragseingang und der Produktionsindex der Industrie hatten ihren Tiefpunkt im Mai 2020. Im August hatten sie wieder das Niveau vom Jahresanfang erreicht (2.2a). Die Konjunkturindikatoren der EWU zeigen seit Juni 2020 einen Aufschwung (2.4). In der Krise sind auch die Energiepreise eingebrochen, was die Kaufkraft spürbar entlastet (3.6). Die Geschäftserwartungen von ifo lagen im Februar 2021 wieder auf Vorjahresniveau (2.3).
    • Die Kreditversorgung der deutschen Unternehmungen blieb bisher von der Krise unberührt (3.5). Auch das stramme Geldmengen-Wachstum Deutschlands bzw. der EWU ist nicht beeinträchtigt worden (3.11a). Während die FED ihr Geldangebot rigoros verbilligt hat (3.12), hat die EZB zur Stärkung des Geldangebots der Banken ein neues Pandemie-Notfallankaufprogramm gestartet.
    • Im 4. Quartal 2020 lag der BIP-Anteil des Verfügbare Einkommen der Privaten Haushalte um +0,2% über dem Vorjahreswert, der Anteil des privat n Konsums um 3,51% unter, der Anteil der privaten Ersparnis dagegen um +4,0% über dem Vorjahreswert (4.2a). Den Rückgang des Konsumausgaben dominierten die Bereiche Freizeit/Unterhaltung/Kultur sowie Verkehr, Hotel und Gaststätten (4.6).
    • Im 4. Quartal ist die gesamtwirtschaftliche Sparquote auf 8,4% des BIP gestiegen, während die Quote der privaten Ersparnis 17,7% des verfügbaren Einkommens betrug (6.6). Diese Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte ist eine wichtige Erscheinung der Corona-Krise. Sie schwächt die wirtschaftliche Entwicklung spürbar.
    • Der Beitrag der privaten Investitionen ohne Wohnungsbau zum BIP sank im 4. Quartal gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um -4,4% (6.3).
    • Gegenüber dem Vorjahr war die Zahl der Arbeitnehmer im 4. Quartal nur um -1,4% gesunkens, die Zahl der Arbeitnehmerstunden dagegen um -5,3% (9.4, 9.4d).
    • Angesichts einer Zahl von über 47 Millionen Erwerbspersonen lag die Zahl der Arbeitslosen im Vorjahresvergleich nur um 482 Tausend höher (Februar 2021). Die Zahl der Kurzarbeiter, im Vorjahr nur 50 Tausend, betrug dagegen im Dezember 2020 2,4 Millionen, nach einem Maximum von 6 Millionen im April. In der Finanz-Krise, als das Kurzarbeitergeld seine erste Bewährungsprobe bestanden hat, waren es 1,4 Millionen gewesen (9.1d).
    • Der Anteil der Staatseinnahmen am BIP sank im 3. Quartal um -2% unter den Vorjahresstand. Der Anteil der Staatsausgaben lagt dagegen um + 6% über dem Vorjahresstand. Das gesamtstaatliche Defizit betrug 7% des BIP (5.1)
    • Die mit der Corona-Krise verbundenen Liquiditätsverschiebungen lassen Inflationssorgen entstehen. Der Auftragseingang signalisierte im Januar 2021 das Erreichen des Vorkrisenniveaus. Gleichzeitig erreicht die Inflationsrate 1,6%, ohne Energie 2,1%. Es spricht nichts dafür, dass sich die Inflation dauerhaft über das gewünschte Maß von 2% erhöhen wird. Nach dem Ende der Pandemie könnten aber die gestauten Ersparnisse in den Konsumkreislauf zurückströmen und den Preisdruck erhöhen. Ob ein vorübergehende Inflationseffekt daraus entsteht, hängt aber davon ab, wie die Haushaltspolitik darauf reagiert (2.2e)

     

    Zurück